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Über Demitz-Thumitz / Geschichte

Granitindustrie

Die Anfänge der Granitsteinindustrie in Demitz liegen schon weit zurück. Um sich ein Zubrot zu verdienen gingen die Bauern, wenn keine Erntezeit war, „in die Steine“. Dabei bearbeiteten sie Findlinge, die in der Eiszeit auf den Hängen des Klosterberges abgelagert worden waren. Im Jahre 1830 können die ersten Steinmetzen in Demitz nachgewiesen werden, aber auch sie bearbeiteten nur die Findlinge. Die Werkstücke wurden mit Pferdegeschirren ausgeliefert, da es noch keine Eisenbahn gab. 10 Jahre später gab es die ersten ständigen Steinbruchstellen am Klosterberg (Großer Jungfernstein und Tröbigauer Berg). Mit dem Bau des Eisenbahnviadukts über das Schwarzwassertal wurde der Wert des Granits erkannt. Speziell dafür wurde der Bruch „Zigeunerloch“ aufgeschlossen. 1846 legte Traugott Rätze den Bruch „Ratschken“ an. Drei Jahre später ging dieser in die Hände des Dresdner Schifffahrtskaufmanns Karl Sparmann. 1888 pachtete C.G. Kunath (ebenfalls aus Dresden) die Brüche Thumitz I und II. Damit setzte eine lebhafte Entwicklung ein. Die beiden Großfirmen Kunath und Sparmann übernahmen fast alle der Brüche aus der Hand kleinerer Unternehmer. 1896 Kunath: Jungfernstein, Bolbritz, Lehnberg und Rothnaußlitz. Die Pferdekutschen als Transportmittel innerhalb der Betriebe wurden bereits durch Schienen abgelöst. Kunath baute die erste Bremsberganlage. Da auch für die Einführung der Pressluft große Mengen an Energie notwendig waren, und es damals noch kein öffentliches Stromnetz gab, aus dem man den Strom hätte beziehen können, baute die Firma Kunath ein eigenes Elektrizitätswerk. 1898 kaufte Kunath die Bauerngüter Schäfer und Meißner, was ihm den direkten Zugang zur Bahn sicherte. So konnte er eine Verladerampe bauen. Die Firma erhielt ihren privaten Anschluss an die Reichsbahn. Bis dahin wurden die Werkstücke noch mit Pferdefuhrwerken ausgeliefert. 1901 wurde die erste Kleinpflasterspaltmaschine eingeführt. 1902 baute Sparmann den ersten Kabelkran. Das ermöglichte die Förderung auch in größeren Tiefen. Bei der Firma C.G. Kunath waren die Geschäftsführer inzwischen Bruno Jahn und Paul Hietzig, unter ihnen wurde die Firma Tochtergesellschaft der Linzer Basalt AG. Krisen in der Steinbruchindustrie gab es wie überall während des 1. und 2. Weltkrieges, sowie bei der Weltwirtschaftskrise 1929. Während des 2. Weltkrieges stellten beide Großfirmen auf Rüstungserzeugnisse um.

<grafiksteinbruch>

oben: stilisierte Darstellung des Klosterberges, in Auftrag gegeben von der Firma C.G. Kunath im Jahre 1908

Der folgende Text entstammt einer 3-teiligen Serie von Karl-Heinz Reichelt (Sächsische Zeitung im Juli 2000)

Die Alliierten beschlossen, dass Deutschland für die Kriegsfolgen Reparationsleistungen zu erbringen hat. Unser Autor Karl-Heinz Reichelt erinnert sich, wie sich dieser Prozess im Falle der Demitz-Thumitzer Granitindustrie abspielte.

Teil 1: Dienstverpflichtet, die Industrie zu schleifen

Vor 55 Jahren wurde Demitz-Thumitzer Granitindustrie demontiert

Im Frühsommer des Jahres 1945 fuhr ein Lkw der sowjetischen Armee von Bischofswerda auf der Landstraße in Richtung Bautzen. Es war ein warmer sonniger Tag. Auf der Ladefläche des Fahrzeuges, das offensichtlich aus amerikanischer Produktion stammte, saß ein rundes Dutzend jüngerer Menschen. Stunden zuvor hatten sie noch große Holzkisten verpackt, deren Inhalt moderne Druckereitechnik der Fa. Paul Klepsch und Sohn war: Schnellpressen, Buchbindereimaschinen, Schrift- und Akzidenzmaterial, Papiervorräte - auch diverse Weinvorräte des Firmenbesitzers. Als das Militärfahrzeug an der Kreuzung Wölkau rechts abbog, freuten sich einige der Männer auf der Ladefläche, die in Demitz-Thumitz wohnhaft waren, über die Großzügigkeit der Besatzungssoldaten, die sie nun, nach der beendeten Demontage in besagter Bischofswerdaer Fabrik, anscheinend direkt nach Hause chauffierten. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Der Lkw brummte ohne anzuhalten durch das Dorf, die steile damalige Kunathstraße hinauf und stoppte erst im Steinbruchgelände.

Mit einem unguten Gefühl sprangen die Leute, nach entsprechender Aufforderung von der Ladefläche. Was hat das zu bedeuten? Lange brauchten sie nicht zu rätseln. Man eröffnete ihnen unumwunden, dass gemäß Befehl der Sowjetischen Militäradministration (SMA), auch die umfangreichen Produktionsanlagen der Firmen C. G. Kunath sowie Sparmann und Co. zu demontieren seien. (C. G. Kunath gehörte damals schon zum deutschlandweiten unternehmen der Basalt AG Linz am Rhein).

Sie wurden kurzerhand verpflichtet, gemeinsam mit anderen Leuten aus Demitz-Thumitz und der Umgebung, diese Arbeiten nach den jeweiligen Anordnungen der Mitglieder einer sowjetischen Demontage-Kommission zu verrichten.

Ein Rückblick in die Vergangenheit

So begann der Abbau all dessen, was zuvor Erwerbsquelle von rund 2 000 Arbeitern und Angestellten (in besten Zeiten noch wesentlich mehr), gewesen war: Kabelkräne, die seit Jahrzehnten zum Wahrzeichen an den Klosterberghängen geworden waren, Kompressoren, Spalt- und andere Steinbearbeitungsmaschinen, Transporttechnik, E- und Diesellok, Schleifereien, Sägen, Bohrgeräte, Schmiedewerkstätten und nicht zuletzt das moderne E-Werk, das erst Mitte der 30er Jahre in Betrieb gegangen war und die gesamte Firma Kunath mit eigenem elektrischem Strom versorgte.

Bis 1939 waren allein über 50 Kabelkräne aufgebaut worden. Der erste wurde über den Bruch Thumitz errichtet und hatte eine Tragfähigkeit von 5000 Kilogramm. Er überspannte die Rohstein-Gewinnungsstätte auf einer Länge von 270 Metern! (Zum Vergleich: Der Eisenbahnviadukt über das Schwarzwassertal, dessen Bau die industrielle Granitsteingewinnung in Demitz-Thumitz um 1845 eingeläutet hatte, ist 230 m lang). In den späteren Jahren wurde die Tragfähigkeit der neu hinzukommenden Kabelkräne bis auf 16 t erhöht!

Viele der so genannten Demontagearbeiter erinnerten sich damals immer wieder an die Blütezeiten der Demitz-Thumitzer Granitsteinfirmen, deren Namen längst einen guten Ruf weit über Sachsen hinaus erlangt hatten. Gerade in den zwanziger und dreißiger Jahren waren zahlreiche Steinarbeiter aus den großen Steinbrüchen bei Strehlen (Schlesien) und der Umgebung nach Demitz-Thumitz gekommen. Hier fanden sie bessere Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten, viele auch eine neue Heimat.

Wissenswert ist wohl auch, dass die Bautzener Landstraße in Bischofswerda eine der ersten Straßen war, die mit Kleinpflaster aus Demitz- Thumitz befestigt wurden. Das war 1903. Nach 23 Jahren also 1926, stellte das Stadtbauamt fest, dass sich der Kleinpflasterbelag hervorragend bewährt hatte, da die Abnutzung trotz starker Fahrzeugbelastung äußerst gering war. Städte und Gemeinden wurden in der Folge in immer größerem Umfang zu zufriedenen Kunden der heimischen Granitindustrie und auch im Ausland wurden Pflaster, Schotter, Borde, Stufen und Platten aus Demitz-Thumitzer Granit auf Grund seiner Festigkeit und Witterungsbeständigkeit für den Bau von Verkehrsanlagen, monumentaler Gebäude, für Denkmale und Befestigungen aller Art immer gefragter.

Das alles sollte nun Vergangenheit sein? Immer wieder ging jenen Leuten, die zu dieser kontraproduktiven Arbeit gezwungen wurden, der Gedanke nach dem Sinn dieser Anordnungen durch den Kopf. Freilich, in den Wochen nach dem Kriegsende hatten sie erst richtig erfahren, welch riesige Schäden durch die Kampfhandlungen und oft mutwilligen Zerstörungen, gerade in der damaligen Sowjetunion angerichtet worden waren. Aber hätte nicht die Auslieferung eines großen Teils der künftigen Produktionserzeugnisse, gefertigt von erfahrenen Facharbeitern, auf lange Sicht nicht besser der Wiedergutmachung gedient, als dieser unbarmherzige Abriss? Lediglich der kleine Bruch "Grund" bei Schmölln blieb davon verschont.

Solche Gedanken gab es bei der sowjetischen Führung seinerzeit wohl nicht. So nahm das Verhängnis - wie vielerorts in der sowjetischen Besatzungszone - seinen Lauf. Der Todeskampf der Demitz-Thumitzer Granitsteinindustrie dauerte etwa bis April/Mai 1946. Zurück blieben leere Gebäuderuinen, nackte Betonsockel, auf denen einst die Türme der Kabelkräne verankert waren, kilometerlange Schotterstrecken, auf denen die Schienenstränge des Transportsystems von den Gewinnungs- zu den Verarbeitungs- und Verladestätten verliefen.

Teil 2: Vom Stift zum Spezialisten

Vor 55 Jahren wurde die Demitz-Thumitzer Granitindustrie geschleift

Nach dem Zwangsabbruch der Schriftsetzerlehre in der eingangs erwähnten Bischofswerdaer Druckerei wurde ich, 15-jährig, seltsamerweise bald zum "Spezialisten". Mit breitem Sicherheitsgurt um die damals recht schmalen Hüften, Schraubenschlüsseln und Schraubzwingen an den am Gürtel befindlichen Karabinerhaken, ging es immer wieder hinauf auf die Schwebebahntürme. Hier oben konnten wir auch so manche "Fünfzehn" einlegen, denn von den sowjetischen Aufsehern kam da kaum einer hochgeklettert. Vor dem Abbau wurden diese stählernen Ungetüme jeweils mit einem Montagemast verbunden und nach allen Seiten mit Stahlseilen gesichert. Das Schwierigste war stets das Herauslösen des fast armdicken Tragseiles, das über mehrere 100 Meter den jeweiligen Bruch überspannte. Viele Tonnen schwer, war es immer ein Kraftakt, dieses Tragseil mit den Zugseilen zu entspannen und den dicken Bolzen aus der Befestigungsöse herauszuschlagen. Das gab stets einen gewaltigen Ruck und der Kabelkranturm schwankte samt den Leuten wie ein Baum im Winde. Nachdem auch die Bolzen bzw. Nieten an den aus der Erde ragenden Betonfundamenten gelöst waren, konnte der Turm vorsichtig mit einem Fahrseil in die vorausberechnete Richtung auf die Erde gelegt werden. Das waren immer hektische Minuten, aber meist ging es gut. Aber ohne solche wirklichen Spezialisten wie Kurt Golde und Max Thomas, die die Kabelkräne mitunter erst wenige Jahre vorher aufgebaut hatten, wäre das nie möglich gewesen. Da hätte es wohl nur Schrott und viele Unfälle gegeben. Man kann sich vorstellen, wie beiden das Herz blutete, als sie uns zeigen mussten, wie das, was sie einst geschaffen hatten, nun wieder zunichte zu machen ist.

Auch mit der Arbeitszeit hielt man es, zumindest in den ersten Wochen, wie bei Zwangsarbeitern. Begonnen wurde früh 7 Uhr und Arbeitsende war erst kurz vor Dämmerungseinbruch. Das besserte sich zugunsten der Arbeiter nach einigen Wochen. Für die Kabelkranleute gab es später sogar Vorteile. Immer wenn ein Turm umgelegt war, konnten wir Feierabend machen. Wir schafften das manchmal schon bis 15, 16 Uhr. Weil auf die Qualität kaum Wert gelegt wurde, ließen wir die Türme oft so zu Boden knallen, dass dabei zwangsläufig viele Stahlstreben mächtig verbogen wurden. Die sowjetischen Aufseher reagierten darauf mit Gleichmut. Ob das Zeug jemals wieder aufgebaut werden konnte, war offensichtlich unwichtig!

Kapitän (Hauptmann) Tschesnokow war wohl der einzige Vertreter der sowjetischen Demontage-Kommission, zu dem wir damals bald Vertrauen fassten. Regelmäßig kam er zu uns an die Arbeitsstätten. Er gab klare verständliche Anweisungen, stellte aber die Anforderungen an die täglich zu verrichtenden Arbeitsleistungen niemals zu hoch. Wir lernten diesen gebildeten Offizier der Sowjetarmee, der ausgezeichnet deutsch sprach, als einen gütigen Menschen der Siegermacht kennen. Trotz der großen leiden, die sein Volk im Zweiten Weltkrieg erdulden musste, fand er stets ein freundliches Wort für uns. Vor jeder Arbeitsbesprechung zückte er seinen großen ledernen Tabaksbeutel, und alle, die wollten, durften sich erst einmal eine Machorka drehen.

Teil 3: Eisenmast begräbt 18-Jährigen unter sich

Vor 55 Jahren wurde die Demitz-Thumitzer Granitindustrie geschleift: Zurück blieben ein Ruinen- Landschaft und Hoffnung für einen Neubeginn

Im Unterschied zu diesem Mann gab es auch andere Charaktere im Kommando. In unguter Erinnerung blieb allen von uns der herrschsüchtige Ingenieur, den wir "Alex" nannten. Ein vierschrötiger Zivilist, mit blassem aufgedunsenen Gesicht, der die Leute offensichtlich gern schikanierte. Immer wieder schrie er uns an, dass er mit dem Tempo der Arbeit nicht zufrieden sei. Wir hassten diesen Menschen und waren um Ausreden nie verlegen, zumal sich der Herr Ingenieur kaum auf einen der Türme hinauf traute. Dort waren wir vor ihm relativ sicher.

Mit Alex, dem Ingenieur, zusammengestoßen

Hans Weber, genannt "Weißhedel", aus Demitz-Thumitz war von Kapitän Tschesnokow als Brigadier eingesetzt worden. Eines Tages passierte es: Der immer unzufriedene Alex ging Weber laut an, dass es nicht in seinem Sinne vorangehe. Kühl entgegnete "Weißhedel", der sich weder vor Tod noch Teufel fürchtete, dass er Befehle lediglich vom Kapitän Tschesnokow entgegennehme. Die Situation eskalierte derart, dass Hans Weber die Spitzhacke gegen den sowjetischen Ingenieur erhob -und fast zugeschlagen hätte. Glücklicherweise gelang es besonnenen Kollegen, ihn zurückzuhalten. Trotzdem vermuteten wir, dass Hans Weber danach jeden Moment abgeholt und schlimmster Bestrafung ausgesetzt werden würde. Doch nichts dergleichen geschah. Sicher hatte der Kapitän beide Hände schützend über seinen Brigadier gehalten. In diesen Tagen geschah auf der "Kanzel" ein grausames Unglück. Wir bereiteten gerade einen Kabelkranturm zum Abbau vor, als in nächster Umgebung ein junger Mann aus einem anderen Arbeitskommando, auf einem hölzernen Strommast die Elektrokabel abschnitt. Plötzlich knirschte es hässlich. Der Mast stürzte genau auf die Kante des Betonfundamentes des Kabelkranturmes und zertrümmerte dem 18-jährigen Elektriker die Wangenknochen. Er war sofort tot. Die Blutspuren am Fundament erinnerten noch lange an seinen sinnlosen Tod. Der junge Mann hieß Reißbach und war der Sohn eines bekannten Fußballspielers aus Bischofswerda. (Vater Max Reißbach -trainierte in späteren Jahren eine zeitlang die Demitz-Thumitzer Fußballer.) Wir alle waren schockiert. Sogar Alex und seine Leute ließen uns an diesem Tage in Ruhe. Es hat auch an anderen Arbeitsstätten schwere Unfälle gegeben.

Bei einem der letzten für unser Kommando zu fällenden Kabelkrantürme am "Bruchstein" im Frühjahr 1946 waren wir dann allzu leichtsinnig geworden. Im Bestreben, wieder schon am Nachmittag nach Hause zu können, ließen wir es mit der Befestigung des Turmes ziemlich locker angehen. Das rächte sich. Beim Absenken ging er plötzlich in die falsche Richtung. Die Bäume, an denen wir die Halteseile mittels den Schraubzwingen befestigt hatten, wurden herausgerissen und fegten die benachbarten alten Spellerhütten weg. Es krachte dumpf. Völlig verbogen lag der Turm mit seinen Verstrebungen am Boden. Schreckensbleich sahen wir uns an. Glücklicherweise war keinem etwas passiert Für diese unerfreuliche Arbeit an den Klosterberghängen erhielten wir zuerst hin und wieder ein paar "Produkty". Das waren große Reiskörner (Kälberzähne), etwas Zucker in großen Tüten, selten ein Stück Brot. Später gab es sporadisch das so genannte Alliiertengeld, kleine bunte Scheine, mit denen man etwas Brot, Fett, Zigaretten oder anderes kaufen konnte - zu hohen Schwarzmarktpreisen.

Aufgeräumt mit dem Mut der Verzweifelten

Im Frühjahr 1946 waren dann die einst so florierenden Industrieanlagen an den Hängen des Klosterberges restlos eliminiert. Verschwunden war auch das Kommando der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD). Doch die Hoffnungslosigkeit angesichts einer Ruinen- und Trümmerlandschaft dauerte nicht lange. Schon während der Demontage hatten mutige Steinarbeiter viele Werkzeuge an sicheren Stellen, hauptsächlich in den Brüchen, versteckt. Sie verloren nie die Hoffnung, dass es doch einmal wieder aufwärts gehen müsse.

Noch im August des Jahres 1946 begann eine Gruppe beherzter Steinarbeiter und Hilfskräfte mit dem Mut der Verzweifelten mit ersten Aufräumungsarbeiten. Als erstes Transportfahrzeug stand ihnen lediglich das zweirädrige Untergestell des ehemaligen "Siechkorbes" zur Verfügung. Mit diesem Gefährt wurden seinerzeit Verunglückte aus den Steinbrüchen zur ärztlichen Behandlung herausgefahren. Irgendwo wurden sogar ein paar hundert Meter alte Feldgleise aufgetrieben. Ausgeliehene Muldenkipper und Tafelwagen, die kurz vor Kriegsende zum Bau von Panzersperren und anderen benutzt worden waren, wurden zurückgeholt. Auch eine alte defekte Diesellok konnte mit viel handwerklichem Geschick wieder funktionstüchtig gemacht werden. Wichtiges Material für den Anfang wurde auch in seit längerer Zeit nicht genutzten Betrieben aufgespürt und erworben. Als Ende Februar 1947 durch die SMAD der Betrieb zum Wiederaufbau freigegeben wurde, war dieser in der Tat schon im Gange und die Belegschaft umfasste bereits wieder 120 Mann. Der Bescheid durch die sowjetische Führung war aber natürlich Motivation, den Wiederaufbau verstärkt fortzusetzen.

Zug um Zug, mit vielem Improvisieren, wurden eine Schlosserei, eine Zimmerei und eine Elektrowerkstatt nutzungsfähig gemacht. Mit einem in eigener Werkstatt gefertigten Drehkran gelang es schließlich im Sommer des Jahres 1947, wieder Rohsteine aus dem Bruch Thumitz zu gewinnen. Bald wurden wieder Großpflaster-, Bord-, Mauer- und Werksteine hergestellt. Verkauft wurden auch noch vorhandene Lagerbestände. Die Neuproduktion betrug zum Jahresende 4 970 Tonnen - vor Kriegsbeginn 1939 waren es allein bei Kunath 427 000 Tonnen.

Tschesnokow zog es an Klosterberg zurück

Dennoch, der Wiederanfang war gemacht und Schritt für Schritt ging es weiter voran. Auch der zunächst unter Treuhand stehende Betrieb Sparmann und Co. konnte etwa zur gleichen Zeit im Bruch "Kanzel" einen Drehkran und sogar einen Kabelkran aufstellen. Dort hatten inzwischen 140 Steinarbeiter wieder Beschäftigung gefunden, so dass zum Jahresende 1947 schon 350 Leute bei der Steingewinnung und Verarbeitung eingesetzt waren. Übrigens: Kapitän Tschesnokow zog es wieder in die Demitz-Thumitzer Steinindustrie zurück. Er hatte 1945/46 hier eine Frau kennengelernt, die er nun heiratete. Diese Frau starb aber leider allzu früh. Dr. Mitrofan Tschesnokow war nicht mit leeren Händen zurückgekehrt. Er brachte aus seiner Heimat ein Gerät mit, das Voraussetzung eines neuen, schonenden Verfahrens zur Rohsteingewinnung war: Das Thermobrenn-Verfahren. Auf der Basis von Waschbenzin und Druckluft wurde damit das Gebirge mit hohen Temperaturen geschnitten und das aufwendige Gassprengen abgelöst.

Nachtrag: Basalt AG erwarb Betriebe zurück

Demitz-Thumitz bleibt Ort der Steinarbeiter

Hauptmann Tschesnokow, ein Offizier des ehemaligen sowjetischen Demontagekommandos, war auch aus persönlichen Gründen nach Demitz-Thumitz zurückgekehrt. Er hatte aus seiner Heimat ein Gerät mitgebracht, das als wichtige Voraussetzung zu einer neuen Methode der Rohsteingewinnung beitrug: Das Thermobrenn-Verfahren, bei dem das Gebirge mit hohen Temperaturen geschnitten und das aufwendige Gasse-Sprengen abgelöst wurde. Dr. Mitrofan Tschesnokow .hatte gewichtige Verdienste bei der Einführung dieser neuen Methode. Neue Technik und neue Verfahren brachten weiteren Aufschwung bei der Gewinnung und Verarbeitung des Granits. Die Anzahl der Beschäftigten in Demitz-Thumitz und Umgebung erreichte die 3000. "Lausitzer Granit in alle Welt" dieser Slogan fand wieder Berechtigung.

Nach der Wende 1989 gab es eine gravierende Zäsur. Die Nachfrage nach dem einst so begehrten Lausitzer Granit ging drastisch zurück. Viele Märkte in Nah und Fern brachen weg. Der Absatz wurde immer geringer. Sogenannte Billigländer überschütteten mehr und mehr die früheren Absatzgebiete mit ihren Erzeugnissen. Die Demitz-Thumitzer Granitindustrie musste sich damit abfinden.

Drastischer Rückgang der Nachfrage

1990 trat schließlich die Basalt AG aus Linz am Rhein auf den Plan und erwarb die ihr schon vor dem zweiten Weltkrieg gehörenden Betriebe wieder zurück. Gegenwärtig konzentriert sich die Produktion sowohl auf den Werkstein als auch auf eine neu errichtete Anlage für gebrochenen Granit in vielfältigen Körnungen. Schwere Lkws holten davon täglich Hunderte Tonnen direkt an der Produktionsstätte ab. Dazu wurde vor einigen Jahren eine gesonderte Zufahrtsstraße gebaut.

Steinmetz- und Verarbeitungsabteilungen wurden ergänzt und modernisiert. Die Anzahl der Beschäftigten musste, infolge der neuen Wettbewerbsbedingungen und der weit höheren Produktivität leider wesentlich reduziert werden.

Gewiss ist: Demitz-Thumitz wird sicher auch in Zukunft, entsprechend der langjährigen Traditionen der Granitindustrie an den Hängen des Klosterberges, Ort der Steinarbeiter genannt werden.

Ein Nachwort: Der Autor bittet um Nachsicht, falls Details des Demontagegeschehens in den Jahren 1945/46 nicht ganz exakt wiedergegeben worden sind. Immerhin ist über ein halbes Jahrhundert seit dieser schlimmen Zeit vergangen.

Bankung im Bruch "Rothnaußlitz" Nach und nach wurden die Betriebe immer mehr technisiert. oben: das innerbetriebliche Schienennetz und die Kabelkrananlagen
"Putzerhütten" Steinmetzhalle Maschine zur Erzeugung von Pressluft
Pfeiler für die Reichsautobahn Herstellen eines Mühlsteins Spalten per Hand (mit Hilfe von Keilen)
Bevor es die Pflastermaschinen (rechts)gab wurde Kleinpflaster per Hand geschlagen Erst nach und nach wurde die Belegschaft mit Pressluft ausgerüstet.
Viele der Angestellten in den Granitfirmen waren auch Schmiede, um die Werkzeuge und Technik instand zu halten.
links: Blick in die Zentralschmiede

 


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